Singalong-Konzert vom 12.12.2020 in der Lukaskirche Luzern

Der Singalong 2020 (Mitsingkonzert) musste leider abgesagt werden. Als Ersatz ertönt nun am 12.12.2020 in der Lukaskirche Luzern Musik aus dem Weihnachtsoratorium (Kantaten 1-3). Es spielt das Singalong-Kammerorchester und es singen die Singalong-Gesangssolisten. Pro Aufführung am 12.12. (eine um 18 Uhr (ausgebucht) und eine um 20 Uhr) sind max. 50 Zuhörende (Mitlesende) zugelassen. Das Konzert dauert rund 60 Minuten. Eine Anmeldung via diese Homepage oder via info@luzern-singalong.ch ist zwingend. Bitte geben Sie bei der Anmeldung ihre Kontaktdaten (Name, Vorname, Adresse, Telefonnummer, Mail-Adresse) an. 

Aufführungen: 
- Samstag 12. Dezember 2020, 18.00 Uhr:  Weihnachtsoratorium Kantaten 1-3
- Samstag 12. Dezember 2020, 20.00 Uhr:  Weihnachtsoratorium Kantaten 1-3

Die Konzerte sind gratis. Es wird eine Türkollekte geben.

 


Orchester und Solisten

Orchester    
    

Singalong-Kammerorchester Luzern: Miriam Müller, Leitung
Orgel, Freddie James; Liese Meszar, Violine; Léa Legros-Pontal, Bratsche; 
Luise Hage, Cello; Barbara Zumthurm, Oboe; NN, Flöte

 
Sopran Gabriela Glaus  
Alt Ursina Patzen  
Tenor Remy Burnens  
Bass Serafin Heusser  
 

Zum Werk

Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ – eine kleine Einführung
(Von Valentin Schönherr)

 

Warum eigentlich ist das „Weihnachtsoratorium“ so populär? Keine einzige seiner anderen über 200 Kantaten kommt ihm in der Gunst von Publikum und Mitwirkenden gleich, ja, nicht einmal die Passionen oder die h-Moll-Messe: Sie sind zwar grossartig und sehr bekannt, aber nicht im eigentlichen Sinne populär. Beim „Weihnachtsoratorium“ ist das anders. Wenn zu Beginn die fünf Paukenschläge ertönen, kann es Weihnachten werden. 
 

Worauf also gründet diese Popularität? Der Musikwissenschaftler Meinrad Walter hat hierfür eine Erklärung parat: Das Weihnachtsoratorium ist zugleich sinnvoll und sinnlich. Sinnvoll, weil die Weihnachtsgeschichte in ihren vielen Facetten bei Bach musikalisch einleuchtend ausgestaltet ist. Jesus, der in aller Armut auf Erden kommt und doch als der Herrscher besungen wird – richtig, das lässt sich im Choral Nr. 6 „Er ist auf Erden kommen arm“ auf der einen Seite, in der Bass-Arie Nr. 8 „Grosser Herr und starker König“ auf der anderen ganz genau hören. 

Oder der Evangelist, der das Geschehen von Bethlehem mal zügig erzählt (Nr. 2, „Und als sie daselbst waren, kam die Zeit ...“), der an anderer Stelle eine Situation aber sehr genau schildern kann (Nr. 6, „Und sie gebar ihren ersten Sohn ...“), das ist bei aller Kunst völlig logisch auskomponiert. Auch die Verteilung der Texte auf Einzelpersonen wie im Alt-Rezitativ (Nr. 3 „Nun wird mein liebster Bräutigam ...“) oder auf die Gemeinde (Nr. 5 „Wie soll ich dich empfangen?“) ist leicht nachvollziehbar, ohne aber jemals simpel oder schematisch zu werden. 

Und dann das andere: Nie muss man in diesem Werk das Sinnliche vermissen. Von den hingebungsvollen Alt-Arien über mitreissende Chöre bis hin zu den tief ausdrucksvollen Chorälen – es ist unmöglich, sich von dieser Musik nicht berühren zu lassen. Auch wenn man das Stück schon oft gesungen, gespielt oder gehört hat. 

 Jede der Kantaten hat ihr eigenes Gesicht, ihren eigenen theologischen Glutkern und – gerade auch für Chorsänger – ihre eigenen Höhepunkte: 

  • Kantate I hat das Spannungsverhältnis zwischen Herrscherlob und Armut zum Thema.

 

  • Kantate II „Und es waren Hirten in derselben Gegend“: Dieser Teil handelt von der Nachricht der Geburt Jesu an die Hirten. Anders als in allen anderen Teilen, in denen ein Chorsatz am Anfang steht, erklingt in dieser nächtlichen Szene eine reine Instrumentalmusik, überschrieben Sinfonia, nach Art einer Pastorale. Flöten und Streicher versinnbildlichen eine himmlische Engelsmusik und die Oboen eine volkstümliche Hirtenmusik.

 

  • Kantate III „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“: Der dritte Teil beschließt die eigentliche Geschichte der Weihnachtsnacht mit der Anbetung durch die Hirten im Stall zu Bethlehem. Der festliche Eingangschor mit voller instrumentaler Besetzung preist den „Herrscher des Himmels“, wobei nur indirekt auf das Weihnachtsgeschehen Bezug genommen wird. Nach dem Verschwinden der Engel (Nr. 25) machen sich die Hirten auf den Weg nach Bethlehem, indem sie sich gegenseitig auffordern: „Lasset uns nun gehen“. Die „erste Hälfte“ des Weihnachtsoratoriums schließt mit der Wiederholung des Eingangschors „Herrscher des Himmels“.

 

  • In Kantate IV wird durch die Beschneidung bereits auf die Passionsgeschichte vorausgewiesen, so heisst es im Rezitativ/Choral Nr. 38: „... der du dich vor mich gegeben an des bittern Kreuzes Stamm“. Das zweite grosse Thema ist der Name Jesu: Nr. 38, „Immanuel, du süsses Wort!“ Und der Schlusschoral Nr. 42 „Jesus richte mein Beginnen“ meditiert in sechs Verszeilen, die alle mit dem Wort „Jesus“ beginnen, noch einmal gründlich über diesen Namen. 

 

  • Die Kantate V befasst sich mit dem "strahlenden Licht des neugeborenen Königs". Auf dieses Licht, das durch Jesus in die Welt gekommen ist, bezieht sich auch der Choral «Dein Glanz all Finsternis verzehrt». Doch Bach bringt auch zum Ausdruck, wie unsere «weihnachtliche Gewissheit» immer wieder sehnsüchtigen Fragen und heftigen Zweifeln ausgesetzt ist. Mit dem schlichten Choral «Zwar ist solche Herzensstube» endet die fünfte Kantate eher still, aber mit tiefer Zuversicht. 

 

  • In Kantate VI geht es um Erfüllung und dauerhafte Zusage, die auch beinhaltet, dass man sich dank der Menschwerdung Gottes nicht mehr vor den Feinden zu fürchten braucht. Nr. 62 sagt es ganz deutlich: „Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken; was könnt ihr mir für Furcht erwecken?“ Der Schlusschor begründet, warum man keine Angst mehr zu haben braucht: „Nun seid ihr wohl gerochen (gerächt) an eurer Feinde schar, denn Christus hat zerbrochen, was euch zuwider war.“ So findet trotz des etwas martialischen Vokabulars dieser Kantate, das ganz sinnlich in Pauken und Trompeten zu hören ist, das Weihnachtsoratorium auch sinnvoll seinen Abschluss.