Weihnachtsoratorium von J. S. Bach (Teile 1, 4 und 6) am 30.12.2016

Bei der zweiten Auflage des Luzerner Singalongs haben wir die Kantaten 1, 4 und 6 des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Der Anlass hat dieses Mal in der Lukaskirche Luzern stattgefunden. Es war ein musikalisches Gemeinschaftserlebnis, dass viel Freude gemacht hat. Die Fotos vom Singalong 2016 geben einen guten Eindruck von der Aufführung am 30.12.2016

Orchester und Solisten

Orchester      Singalong-Orchester Luzern,   Miriam Müller, Konzertmeisterin
Sopran Christina Boner  
Alt Ursina Patzen  
Tenor Jakob Pilgram  
Bass Serafin Heusser  
 
 

Zum Werk

Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ – eine kleine Einführung
(Von Valentin Schönherr)


Warum eigentlich ist das „Weihnachtsoratorium“ so populär? Keine einzige seiner anderen über 200 Kantaten kommt ihm in der Gunst von Publikum und Mitwirkenden gleich, ja, nicht einmal die Passionen oder die h-Moll-Messe: Sie sind zwar grossartig und sehr bekannt, aber nicht im eigentlichen Sinne populär. Beim „Weihnachtsoratorium“ ist das anders. Wenn zu Beginn die fünf Paukenschläge ertönen, kann es Weihnachten werden. 

 

Worauf also gründet diese Popularität? Der Musikwissenschaftler Meinrad Walter hat hierfür eine Erklärung parat: Das Weihnachtsoratorium ist zugleich sinnvoll und sinnlich. Sinnvoll, weil die Weihnachtsgeschichte in ihren vielen Facetten bei Bach musikalisch einleuchtend ausgestaltet ist. Jesus, der in aller Armut auf Erden kommt und doch als der Herrscher besungen wird – richtig, das lässt sich im Choral Nr. 6 „Er ist auf Erden kommen arm“ auf der einen Seite, in der Bass-Arie Nr. 8 „Grosser Herr und starker König“ auf der anderen ganz genau hören.

 

Oder der Evangelist, der das Geschehen von Bethlehem mal zügig erzählt (Nr. 2, „Und als sie daselbst waren, kam die Zeit ...“), der an anderer Stelle eine Situation aber sehr genau schildern kann (Nr. 6, „Und sie gebar ihren ersten Sohn ...“), das ist bei aller Kunst völlig logisch auskomponiert. Auch die Verteilung der Texte auf Einzelpersonen wie im Alt-Rezitativ (Nr. 3 „Nun wird mein liebster Bräutigam ...“) oder auf die Gemeinde (Nr. 5 „Wie soll ich dich empfangen?“) ist leicht nachvollziehbar, ohne aber jemals simpel oder schematisch zu werden.

 

Und dann das andere: Nie muss man in diesem Werk das Sinnliche vermissen. Von den hingebungsvollen Alt-Arien über mitreissende Chöre bis hin zu den tief ausdrucksvollen Chorälen – es ist unmöglich, sich von dieser Musik nicht berühren zu lassen. Auch wenn man das Stück schon oft gesungen, gespielt oder gehört hat. 

 

Wir führen miteinander die Kantaten I (Erster Weihnachtstag), IV (Fest der Beschneidung) und VI (Epiphanias/Dreikönigstag) auf. Jede der Kantaten hat ihr eigenes Gesicht, ihren eigenen theologischen Glutkern und – gerade auch für Chorsänger – ihre eigenen Höhepunkte:

 

  • Kantate I hat das Spannungsverhältnis zwischen Herrscherlob und Armut zum Thema.

 

  • In Kantate IV wird durch die Beschneidung bereits auf die Passionsgeschichte vorausgewiesen, so heisst es im Rezitativ/Choral Nr. 38: „... der du dich vor mich gegeben an des bittern Kreuzes Stamm“. Das zweite grosse Thema ist der Name Jesu: Nr. 38, „Immanuel, du süsses Wort!“ Und der Schlusschoral Nr. 42 „Jesus richte mein Beginnen“ meditiert in sechs Verszeilen, die alle mit dem Wort „Jesus“ beginnen, noch einmal gründlich über diesen Namen.

 

  • In Kantate VI geht es um Erfüllung und dauerhafte Zusage, die auch beinhaltet, dass man sich dank der Menschwerdung Gottes nicht mehr vor den Feinden zu fürchten braucht. Nr. 62 sagt es ganz deutlich: „Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken; was könnt ihr mir für Furcht erwecken?“ Der Schlusschor begründet, warum man keine Angst mehr zu haben braucht: „Nun seid ihr wohl gerochen (gerächt) an eurer Feinde schar, denn Christus hat zerbrochen, was euch zuwider war.“ So findet trotz des etwas martialischen Vokabulars dieser Kantate, das ganz sinnlich in Pauken und Trompeten zu hören ist, das Weihnachtsoratorium auch sinnvoll seinen Abschluss. 

 

Infos und Bild-Impressionen vom ersten Luzerner Singalong 2014 finden Sie hier